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Fotoausstellung 2026

Schweinswal-Hotspot-Jadebusen

Fotoausstellung des JadeWale e. V. zu den 10. Wilhelmshavener Schweinswal-Tagen


Wilhelmshaven gehört zu den wenigen Orten in Deutschland, an denen Schweinswale regelmäßig und häufig direkt von Land aus beobachtet werden können. Genau hier setzt die Arbeit des JadeWale e. V. an: Diese besondere Nähe zu den einzigen in Deutschland heimischen Walen bildet die Grundlage für das langjährige Engagement des Vereins. Seine Mitglieder widmen sich mit großer Aufmerksamkeit, Ausdauer und Begeisterung der Beobachtung dieser faszinierenden Meeressäuger – bei Wind und Wetter, oft über viele Stunden hinweg.


Die hier gezeigten Fotografien sind aus genau dieser intensiven Auseinandersetzung mit dem Lebensraum Jadebusen entstanden. Sie zeigen keine inszenierten Szenen, sondern flüchtige, nicht planbare Augenblicke. Schweinswale werden nur etwa 1,8 Meter lang, und meist ist von ihnen kaum mehr zu sehen als ihre Finne, die für einen kurzen Moment die Wasseroberfläche durchschneidet. Ihr Auftauchen ist unvorhersehbar – ein Augenblick, der ebenso schnell wieder verschwindet, wie er erschienen ist.


Die ausgestellten Bilder sind deshalb keine inszenierten Aufnahmen, sondern Momentaufnahmen eines flüchtigen Geschehens. Sie erzählen von Zufällen, von Annäherung und Distanz, von Hoffnung, Konzentration und dem Glück, im entscheidenden Augenblick bereit gewesen zu sein. Jedes Foto ist ein kurzer Beweis dafür, dass Naturbeobachtung immer auch ein Warten auf den richtigen Moment ist – und dass dieser Moment sich niemals erzwingen lässt.


Diese Ausstellung ist jedoch mehr als eine Sammlung einzelner fotografischer Arbeiten. Sie ist das Ergebnis eines gemeinschaftlichen Engagements innerhalb des Vereins. Alle Mitglieder des JadeWale e. V. tragen auf ihre Weise dazu bei, dass solche Bilder überhaupt entstehen können. Neben den Fotografinnen und Fotografen sind es auch die Beobachtenden, deren aufmerksames Schauen eine wichtige Rolle spielt. Sie entdecken Bewegungen auf dem Wasser, geben Hinweise – und schaffen damit oft erst die Voraussetzung dafür, dass ein besonderer Moment fotografisch festgehalten werden kann.


In diesem Zusammenspiel zeigt sich der eigentliche Charakter der Arbeit des Vereins: ein kollektives Wahrnehmen und Dokumentieren, bei dem jede Beobachtung zählt. Die Grenze zwischen Beobachtenden und Fotografierenden ist dabei fließend – viele übernehmen beide Rollen, und jede einzelne trägt zum Gesamtbild bei. Die hier präsentierten Fotografien stehen somit stellvertretend für das Engagement vieler, auch wenn nur einige Namen sichtbar werden.


Aus den zahlreichen Bildautorinnen und -autoren des Vereins sind in dieser Ausstellung Fotografien von Sabine Bartmann, Astrid Verlande, Jonas Mai und Michael Hillmann zu sehen. Ihre Arbeiten geben einen Einblick in die Vielfalt der Begegnungen mit den Schweinswalen im Jadebusen – und zugleich in die unterschiedlichen fotografischen Herangehensweisen, mit denen diese Momente festgehalten werden.


Die Ausstellung versteht sich daher auch als Einladung, den Schweinswal nicht nur als faszinierenden und heimischen Meeresbewohner zu betrachten, sondern auch die besondere Arbeit hinter den Bildern wahrzunehmen: das lange Warten, das genaue Beobachten, das Abstimmen im Team und die Freude darüber, einen einzigartigen Moment überhaupt sichtbar machen zu können. In diesem Sinne ist jedes ausgestellte Foto zugleich Naturbild und Zeugnis gemeinschaftlicher Aufmerksamkeit.


Die Realisierung dieser Fotoausstellung wurde durch eine finanzielle Zuwendung der
OLB Treuhandstiftung Weser-Ems ermöglicht. Dafür gilt ein herzlicher Dank.

Copyright Hinweise:

- alle Fotos = JadeWale e.V.
- beschreibende Texte = Michael Hillmann
Stand: 20260407

der Protagonist

Der hier lebende Gewöhnliche Schweinswal (Phocoena phocoena), gehört zu den Zahnwalen. Nach dem Vaquita und dem Maui-Delfin ist er einer der kleinsten Vertreter seiner Art. Sein Körper wirkt auf den ersten Blick kompakt, fast gedrungen, doch unter der Oberfläche verbirgt sich ein perfekt angepasstes Tier: stromlinienförmig gebaut und von einer dicken Fettschicht durchzogen, die ihn vor der Kälte schützt. Dieser sogenannte Blubber machte ihn in vergangenen Jahrhunderten zu einem begehrten Rohstoff – Schweinswale wurden gejagt und ihr Fett unter anderem zur Öl- und zeitweise auch zur Margarineherstellung genutzt.


Ausgewachsene Tiere erreichen Längen von bis zu 1,8 Metern und wiegen meist zwischen 45 und 70 Kilogramm. Weibchen sind dabei in der Regel etwas größer als Männchen. Unter günstigen Bedingungen können Schweinswale ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen – aber unter den heutigen Lebensumständen in der Nordsee liegt die durchschnittliche Lebenserwartung häufig deutlich darunter, oft nur bei sechs Jahren.

im Nassauhafen

Der Nassau- und Fluthafen in Wilhelmshaven ist ein Ort, an dem sich Gegensätze begegnen: Technik und Natur, geschäftiges Treiben und stille Augenblicke, Geschichte und Gegenwart. Zwischen Dalben und Kaimauern zeigt sich ein Lebensraum, der weit mehr ist, als nur ein Hafen.

Seinen Ursprung hat der Nassauhafen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nachdem das Königreich Preußen 1853 das Jadegebiet erworben hatte, begann ab 1856 der planmäßige Aufbau eines Kriegshafens – der Keimzelle des heutigen Wilhelmshavens. Der Nassauhafen entstand in dieser frühen Phase als Vorhafen und Ausrüstungsbereich für die preußische Marine. Hier wurden Schiffe versorgt, ausgerüstet und für ihre Einsätze vorbereitet. Seine Lage bot Schutz und gleichzeitig schnellen Zugang zur offenen Jade und damit zur Nordsee.

Mit dem weiteren Ausbau der Marineanlagen im Deutschen Kaiserreich verlor der Nassauhafen nach und nach seine ursprüngliche zentrale militärische Funktion, blieb aber Teil des weit verzweigten Hafensystems. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wandelte sich seine Nutzung: Heute präsentiert sich der Nassau- und Fluthafen als lebendiger, aber vergleichsweise ruhiger Teil der Wilhelmshavener Hafenlandschaft. Fahrzeuge – etwa von Wasserschutz, Zoll, von Instituten oder heimischer Wirtschaft – liegen hier ebenso wie Segel- und Sportboote. Der industrielle Großbetrieb spielt sich hier nicht ab.


Der Fluthafen, mit Flutmole und Mittelbrücke, entstand ergänzend als geschütztes Becken, das insbesondere bei starken Stürmen Sicherheit bieten sollte. Gleichzeitig beeinflusst die Flutmole die Wasserzirkulation – ein Faktor, der bis heute auch ökologische Auswirkungen hat. 

Und wenn jetzt alle Bedingungen stimmen und mit der Strömung Fischschwärme ins Hafenbecken gelangen, kommen auch sie: unsere Schweinswale. 


Dann scheint für einen Moment die Zeit stillzustehen, wenn sich die Aufmerksamkeit nicht auf das Hafengeschehen, sondern auf das Wasser richtet. Dort, wo sich Wellen brechen und Lichter spiegeln, ist dann Natur pur zu erleben.


So wird dieser Hafenbereich zu mehr als nur einer Kulisse: er ist dann ein Ort des Begegnens von Mensch, Tier und Meer – ein Ort von Geschichte und Gegenwart.

von allen Seiten

Die Färbung der Schweinswale ist ein Spiel aus Licht und Tiefe: Die Oberseite erscheint dunkelgrau bis nahezu schwarz, während die Unterseite hell bis weißlich schimmert. Diese Tarnung, als „Gegenfärbung“ bekannt, lässt die Tiere im Wasser nahezu verschwinden.

Die Nahrung
Fisch! Heringe, Sprotten, junge Kabeljau, Makrelen, Sandaale, Plattfische und viele weitere Arten bilden die Grundlage der Nahrung des Schweinswals. 

Hat er ein Beutetier erfasst, schnappt er es mit seinen kleinen, spatelförmigen Zähnen. Diese dienen nicht zum Zerkauen, sondern lediglich zum Festhalten. Mit Hilfe der Zunge wird der Fisch so ausgerichtet, dass er kopfvoran im Ganzen geschluckt werden kann.
Doch der Fisch darf nicht zu groß sein, denn der Kehlkopf bildet einen Engpass. Bei zu großen oder ungünstig geformten Beutetieren kann es vorkommen, dass diese im Rachenraum stecken bleiben. Um zu atmen, muss der Schweinswal den Kehlkopf aus seiner Position herausklappen um eine direkte, wasserdichte Verbindung zwischen dem Blasloch und der Luftröhre herzustellen. Steckt dort etwas dazwischen, dann ertrinkt er. Kleinere Beute ist daher nicht nur leichter zu handhaben, sondern auch sicherer.


Wenn Fisch knapp ist oder junge, unerfahrene Tiere noch lernen, erfolgreich zu jagen, erweitert der Schweinswal gelegentlich sein Nahrungsspektrum. Im Jadebusen begegnet er einer Vielzahl anderer Meeresbewohner: Krabben, Garnelen, Würmern, Muscheln und gelegentlich auch kleinen Tintenfischen.

Doch nicht alles, was sich am Meeresboden oder im Wasser bewegt, ist für ihn gleichermaßen geeignet. Viele dieser Tiere sind schwer zu orten, zu greifen oder zu verdauen. Quallen etwa spielen in der Regel keine bedeutende Rolle in seiner Ernährung. Auch Krebstiere werden eher selten gefressen. Der Schweinswal bleibt in erster Linie ein Fischjäger – spezialisiert, effizient und perfekt angepasst an die Jagd in einer Welt aus Schall.


Übrigens: Hat ein Schweinswal einen Fisch erst einmal angepeilt, dann erwischt er ihn auch mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90%. Das ist gut, denn er braucht um die 5 kg Fische pro Tag, um satt zu werden.

Bugwellen

Schweinswale sind keine großen Showkünstler. Meist leben sie allein, in kleinen Gruppen oder lockeren Verbänden von wenigen Individuen. Keine großen Schulen, wie man sie von Delfinen kennt. Auch spektakuläre Sprünge bleiben aus – stattdessen verraten sie sich oft nur durch ein kurzes Auftauchen und zeigen ihre kleine dreieckige Finne, die für einen Moment die Wasseroberfläche durchschneidet.

Ein Blick in die Evolution
Alle Wale haben zwei Nasengänge – genau wie wir Menschen. Doch im Laufe der Entwicklung hat sich bei den Zahnwalen etwas verändert:


•    Ein Nasenloch blieb außen und wurde zum Blasloch. Es liegt nicht mittig, sondern leicht nach links versetzt auf dem Kopf.
 

•    Der andere Nasengang hat sich komplett verändert. Er dient heute als Schallkanal. Mit diesem System senden Zahnwale viele, ganz schnell aufeinander folgende, hochfrequente Klicklaute ins Wasser. Felsen, Schiffe, Fische – alles reflektiert diese Klicks. Über ihren Unterkiefer nehmen die Schweinswale diese Echos auf, sie wandern zum Ohr und dann zum Gehirn. Dort entsteht dann ein akustisches Bild der Umgebung.

In den oft trüben Gewässern der Nordsee wäre die Orientierung oder eine Beutejagd ohne dieses hochentwickelte Orientierungssystem nicht möglich.
Für das menschliche Ohr bleiben diese Laute übrigens verborgen: Sie liegen meist im Frequenzbereich von etwa 110 bis 150 Kilohertz, weit oberhalb dessen, was wir mit unseren etwa 20 Hertz bis 20 Kilohertz wahrnehmen können.

Mutter & Kind

Wenn im späten Frühjahr die Nordsee ruhiger wirkt, beginnt für den Schweinswal die Zeit der Geburten. Zwischen Mai und Juli bringen die Weibchen ein einzelnes Kalb zur Welt. Nach einer Tragzeit von etwa 10 bis 11 Monaten wird es direkt ins offene Wasser geboren – vollständig entwickelt, doch noch auf die Nähe der Mutter angewiesen. Schon wenige Augenblicke nach der Geburt muss das Neugeborene zur Oberfläche schwimmen, um seinen ersten Atemzug zu nehmen – ein entscheidender Moment in einem Leben, das ganz vom Rhythmus des Meeres bestimmt wird.


Bekannte Geburts- und Aufzuchtgebiete in der deutschen Nordsee liegen unter anderem westlich der Insel Sylt sowie im Bereich des Borkum Riffgrund. Diese vergleichsweise ruhigen, nahrungsreichen Regionen bieten Schutz und akzeptable Bedingungen für Mutter und Kalb.


Das Jungtier misst bei der Geburt etwa 65 bis 90 Zentimeter und wiegt rund 5 bis 10 Kilogramm. In den ersten Lebenswochen bleibt es eng an der Seite der Mutter – oft so dicht, dass es im Kielwasser mitschwimmt und von ihrem Körper geschützt wird. Die Bindung ist intensiv und lebenswichtig: Das Kalb lernt nicht nur zu schwimmen und zu atmen, sondern auch, die Welt der Geräusche zu verstehen.


Gesäugt wird unter Wasser. Dabei presst die Mutter ihre energiereiche Milch aktiv in das Maul des Kalbes. Diese Milch ist außergewöhnlich fettreich – mit einem Fettgehalt von etwa 30 bis 50 % – und ermöglicht ein rasches Wachsen. Bereits nach wenigen Monaten beginnt das Jungtier, erste kleine Fische zu fangen, auch wenn es noch weiterhin gesäugt wird. Nach etwa 8 bis 10 Monaten wird es vollständig entwöhnt.


Mit zunehmender Selbstständigkeit löst sich die enge Bindung zur Mutter allmählich. In der Regel bleibt das Kalb etwa ein Jahr in ihrer Nähe, bevor es beginnt, eigene Wege zu gehen.

In bester Obhut
In Jahr 2025 haben wir häufig Kuh-Kalb-Paare gesehen, die dicht aneinander und mit Körperkontakt unterwegs waren. Offensichtlich schwimmen Schweinswalkälber fast immer links neben ihrer Mutter.

Was dahintersteckt? 

Die Wissenschaft liefert dafür zwei Erklärungen:

1.    Schutz und Orientierung
Das Kalb hält engen Körperkontakt, um in der Strömung weniger Energie zu verbrauchen, Schutz vor Räubern und Booten zu haben und die Bewegungen der Mutter besser nachzuvollziehen. Wenn beide immer dieselbe Seite nutzen, wird die Koordination einfacher: Das Kalb weiß, wo sein Platz ist, und die Mutter kann ihr Verhalten darauf einstellen.

2.    Hirnhälften-Spezialisierung
Wie bei uns Menschen, sind auch bei Zahnwalen die beiden Gehirnhälften auf unterschiedliche Aufgaben spezialisiert. Schwimmt das Kalb links, hat es die Mutter mit dem rechten Auge im Blick. Dieses Auge liefert Informationen an die linke Gehirnhälfte – die besonders auf soziale Signale ausgelegt ist.

Fazit: Schweinswalkälber schwimmen also wirklich links neben ihrer Mutter. Aus gutem Grund. Es ist ein Zusammenspiel von Schutz, Orientierung und Spezialisierung.

gemischtes Doppel

Der Schweinswal ist überwiegend ein einzelgängerischer Jäger, der seine Beute allein aufspürt und verfolgt. Neuere wissenschaftliche Beobachtungen zeigen jedoch, dass Schweinswale unter bestimmten Bedingungen auch kooperativ jagen können. Dabei schließen sich mehrere Tiere kurzfristig zusammen, um Fischschwärme gezielt zu treiben. Dieses Verhalten wurde erst vor wenigen Jahren eindeutig dokumentiert und deutet darauf hin, dass Schweinswale flexibler in ihrem Sozial- und Jagdverhalten sind, als lange angenommen. Trotz dieser Fähigkeit bleibt kooperatives Jagen eher die Ausnahme und tritt vermutlich nur dort auf, wo ein besonders reiches Nahrungsangebot vorhanden ist.

Die Fortpflanzung
Kälber bleiben gerne in der Nähe ihrer Mütter, doch die Zeit zur Selbstständigkeit drängt: Bereits kurz nach der Geburt – oft nur wenige Wochen später – werden die Weibchen erneut von Männchen umworben. Die Paarungszeit fällt in den Sommer, sodass der Kreislauf des Lebens ohne Unterbrechung weitergeht.

Männliche Schweinswale stoßen mit hoher Geschwindigkeit auf die Weibchen zu. Ihre Annäherung ist präzise, zielgerichtet und „schwungvoll“. Fast ausschließlich wählen sie dabei die linke Körperseite des Weibchens. Dann folgt der kurze Fortpflanzungsakt - die Kopulation dauert meist nur ein bis zwei Sekunden. Häufig durchbrechen die Tiere dabei die Wasseroberfläche – für einen kurzen Augenblick scheinen die Schweinswale zu springen.
 

Hinweis: Der Penis von Schweinswalen ist im Verhältnis zu ihrer Körperlänge recht groß – im Vergleich mit anderen Walarten [Quelle: Keener et al. (2018): The Sex Life of Harbor Porpoises (Phocoena phocoena)].
 

Die Geschlechtsreife erreichen Schweinswale vergleichsweise früh: Weibchen meist im Alter von drei bis vier Jahren, Männchen etwas eher. Doch nur wenige Tiere kommen überhaupt in dieses Alter – die Gefahren des Meeres und menschliche Einflüsse verkürzen die Lebenserwartung von Schweinswalen extrem.

ruhiges Wasser

Schweinswale schlafen, wie andere Wale auch, nur mit einer Hirnhälfte (unihemisphärischer Schlaf), um trotz Ruhephasen atmen zu können, da ihre Atmung bewusst gesteuert wird und nicht reflexartig erfolgt. Diese Anpassung ermöglicht es ihnen, an der Wasseroberfläche zu atmen, Gefahren wahrzunehmen und aktiv zu bleiben, während eine Gehirnhälfte ausruht. Schweinswal-Kühe schlafen nach der Geburt, im ersten Betreuungsmonat des Kalbs, gar nicht.

Die Population
Letzte Bestandsaufnahmen stammen von 2022 (SCANS-IV-Erhebung) und liefern für die Nordsee Schätzungen im Bereich von ca. 339.000 Schweinswalen. Für die deutsche Nordsee werden modellbasierte Bestände von etwa 23.000 Tieren angegeben (ITAW/BfN, jüngere Auswertungen). Regionale Teilgebietsabschätzungen sind unsicher und stark modellabhängig. So geht man vor der niedersächsischen Küste (nicht wissenschaftlich/unbestätigte Schätzungen) von etwa 15.000 Tieren aus. Der Populationstrend variiert je nach Gebiet und Methodik und ist nicht einheitlich zu benennen.

weit draußen

Als Teil der Nordsee gehört der Jadebusen zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer und liegt in der Deutschen Bucht. Die größte Stadt an seinen Ufern ist Wilhelmshaven. Östlich davon liegt Eckwarderhörne; auf der gegenüberliegenden Seite schmiegen sich Dangast und die Stadt Varel an das Wasser.

Nahezu mittig im Jadebusen steht der Leuchtturm Arngast – ein stiller Zeuge vergangener Zeiten, der auch heute noch als Seezeichen für das Jadefahrwasser dient. In diesen Gewässern lassen sich mit etwas Glück Schweinswale beobachten – die einzigen heimischen Wale Deutschlands, die hier oft durch das Wasser ziehen und ihre Finnen zeigen.

Die Entstehung des Jadebusens reicht mehrere Jahrtausende zurück. Bereits vor über 5.000 Jahren verlandeten in der Region um Seefeld und Schweiburg weite Wattflächen und bildeten ausgedehnte Moorlandschaften. Der dort gewonnene Torf diente den Menschen später als Brennstoff und zur Salzgewinnung. Doch das Gleichgewicht zwischen Land und Meer war fragil: Sturmfluten und ein allmählich steigender Meeresspiegel verwandelten die Landschaft im Laufe des Mittelalters grundlegend.


Besonders die verheerende Erste Marcellusflut im Jahr 1219, sowie weitere Sturmfluten öffneten das Land und ließen die heutige Bucht entstehen. Einst existierten hier zahlreiche kleine Inseln und Siedlungen, die nach und nach vom Meer verschlungen wurden. Von ihnen zeugen heute nur noch Sandbänke und Untiefen.


Das Kirchspiel Arngast fiel schließlich einer weiteren großen Sturmflut zum Opfer – wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Zweiten Marcellusflut im Jahr 1362. Eine kleine Insel hielt sich noch über Jahrhunderte, schrumpfte jedoch stetig, bis sie schließlich ganz verschwand. 

Begegnungen

Der Jadebusen variiert zwischen rund 8 und 16 Kilometern in der Breite, die Fläche beträgt etwa 190 km² – das entspricht ungefähr 26.500 Fußballfeldern. Die Wassertiefe erreicht stellenweise bis zu 18 Meter. Der Tidenhub, also der Unterschied zwischen Ebbe und Flut, liegt hier bei etwa 3 bis 4 Metern und prägt die Dynamik dieser Landschaft maßgeblich.Der Salzgehalt des Wassers im Jadebusen schwankt zwischen etwa 2,8 und 3,5 %, abhängig vom Süßwassereintrag der Flüsse. 

Wasser Fabenspiele

Wie alle Wale atmen Schweinswale durch ein Blasloch auf der Oberseite ihres Kopfes. Dieses einzelne Atemloch liegt leicht nach links versetzt und ermöglicht es dem Tier, nahezu unbemerkt Luft zu holen, während der Körper größtenteils unter Wasser bleibt. Beim ruhigen Schwimmen erfolgt die Atmung in regelmäßigen Abständen von etwa zwei- bis viermal pro Minute. Schweinswale erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 22 km/h.

Bei unseren Beobachtungen können wir immer wieder Risse und Kratzer, manchmal auch tiefere Wunden auf der Haut der Schweinswale erkennen. Das sind mit dem Auge sichtbare Spuren, die jetzt Anlass sein sollen, über die den Schweinswal bedrohenden Gefahren zu berichten.

Menschgemachte Gefahren – was so alles mit unserem Meer passiert
 

Große Mengen Abfall und giftige Chemikalien gelangen hinein. Riesige Plastikmüllstrudel schwimmen in den Ozeanen. Große Fangflotten fischen die Nahrungsgrundlagen ab. Fischfabrikschiffe ziehen riesige Netze über den Meeresboden hinter sich her. Dabei werden Schweinswale auch Beifang – die meisten kommen nicht lebend davon. In der Küstenfischerei finden so feinmaschige Stellnetze Verwendung, dass Schweinswale diese mit ihrer Echolokation nicht erkennen können. Haben Schweinswale sich einmal in einem Netz verfangen, schaffen sie es nicht mehr zum Atmen an die Oberfläche und ertrinken. 
Wie für alle Walarten weltweit, besteht auch für Schweinswale die Gefahr, sich in sogenannten „Geisternetzen“ - Netzteile oder ganze Netze, welche versehentlich oder absichtlich „über Bord gehen“ - zu verfangen und lebensbedrohlich in ihrer Aktivität beeinträchtigt zu werden.

Und dann der ganze Lärm. 
Da ist zunächst der Schiffsverkehr zu nennen, welcher beinahe permanent zugegen ist. Und ja, wir wollen unabhängiger von fossilen Energiequellen werden. Offshore-Windparks stellen in diesem Zusammenhang eine wichtige Säule dar. Doch ist der Bau einer Windkraftanlage mit extremer Geräuschentwicklung verbunden. Allein die Rammarbeiten zur Gründung verursachen Spitzenlautstärken von bis zu 200 dB. Um den Strom an Land zu bringen, müssen Kabel durch die Meere verlegt werden. Aus den vergangenen Weltkriegen übriggebliebene Munition wird gesprengt.


Lärm macht Schweinswale blind – sie sehen ja sozusagen mit den Ohren.
Es gibt bereits gute Ideen, Schallemissionen zu reduzieren. Einige davon werden auch schon angewandt. Doch bedarf es hier einer schnelleren und konsequenteren Umsetzung sowie einer naturverträglichen Koordinierung erforderlicher Arbeiten, um den Tieren Ausweichmöglichkeiten zu lassen.


Und wir brauchen unbedingt Schutzgebiete. Dauerhafte Rückzugsorte ohne Lärm, ohne Netze, ohne Müll, ohne Gift.

Natürliche Gefahren – auch die gibt es selbstverständlich


Es gibt selbstverständlich auch natürliche Gefahren für die Schweinswale. 
Bei großen Haien und einigen Orca-Populationen des Nordatlantiks steht der Schweinswal auf dem Speiseplan.

 

Weißseitendelfine, Weißschnauzendelfine, Große Tümmler und Kleine Tümmler (ein anderer Name für den Schweinswal) haben einen sich überschneidenden Lebensraum und jagen ähnliche Beute. Darum versuchen Delfine, Schweinswale als Nahrungskonkurrenten auszuschalten, indem sie sie von der Seite rammen. Leider brechen den Schweinswalen dabei im schlimmsten Fall die Rippen - was für sie dann oft tödlich endet.

Lange Zeit galten Kegelrobbe und Schweinswal als friedliche Nachbarn. Doch Spuren an gestrandeten Tieren erzählen eine andere Geschichte. Und erst die Untersuchung zahlreicher Strandfunde brachte Gewissheit. Charakteristische Verletzungen und genetische Spuren zeigen, dass Kegelrobben auch gesunde Schweinswale aktiv angreifen und töten. Was lange rätselhaft blieb, erwies sich als regelmäßiges Räuberverhalten in der Nordsee. 

 

In einer umfassenden Untersuchung von über 1000 gestrandeten Schweinswalen konnten bei rund 17% der Fälle mit bestimmbarer Todesursache Angriffe von Kegelrobben nachgewiesen werden. Damit gehören sie zu den bedeutenden natürlichen Todesursachen dieser kleinen Wale – neben Fischerei-Beifang (20%), Krankheiten (18%) und Nahrungsmangel (14%) [Quelle: Leopold et al. 2015 (Proceedings of the Royal Society B)].

Doch das Bild bleibt unvollständig: Nur ein Bruchteil aller verstorbenen Schweinswale wird überhaupt an die Küsten gespült. Was sich in den Tiefen der Nordsee abspielt, bleibt zum größten Teil verborgen.

entlang der Kaimauern

Typisch für Schweinswale sind eher kurze Tauchgänge. Meist bleiben sie nur wenige Minuten unter Wasser und bewegen sich dabei in relativ geringen Tiefen, häufig unter 20 Metern. Diese Tauchweise passt zu ihrer bevorzugten Lebensweise in küstennahen, oft flachen Gewässern, wo sie kleinen Fischen, wie Heringen oder Sandaalen nachstellen. Dennoch sind sie durchaus zu längeren und tieferen Tauchgängen fähig: In Ausnahmefällen können Schweinswale mehrere Minuten unter Wasser bleiben und deutlich größere Tiefen erreichen, als lange angenommen wurde.

Besonders bemerkenswert ist eine erst vor wenigen Jahren dokumentierte Beobachtung. Dabei wurde eine Tiefe von weit über 200 Metern erreicht – ein Wert, der deutlich über den üblichen Erwartungen für diese Art liegt und zeigt, wie anpassungsfähig und leistungsfähig diese kleinen Wale tatsächlich sind. Solche extremen Tauchgänge bleiben jedoch die Ausnahme und stehen vermutlich im Zusammenhang mit der Nahrungssuche oder speziellen Umweltbedingungen.

Der Schweinswal ist anpassungsfähig. Er hält sich gern in küstennahen Gewässern auf, folgt aber gelegentlich auch Flussläufen weit ins Landesinnere hinein – immer auf der Spur von Fischen, seiner wichtigsten Nahrungsquelle.

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